Nach der Behandlung
Retainer reinigen und Nachteile kennen: Tipps für den Alltag
Der Retainer begleitet Sie nach der Zahnspange über Jahre, und im Alltag entscheiden zwei Dinge über den Erfolg: die richtige Pflege und der realistische Umgang mit seinen Schwächen. Dieser Ratgeber sammelt die praktischen Tipps. Was ein Retainer grundsätzlich ist, welche Arten es gibt und wie lange er getragen wird, erklärt ausführlich unsere Hauptseite Retainer im Überblick.
Nachteile und Risiken eines Retainers
So wichtig die Retention ist, ganz ohne Schattenseiten kommt sie nicht aus. Wer die typischen Nachteile kennt, kann die meisten davon entschärfen:
- Pflegeaufwand beim festen Retainer: Der geklebte Draht auf der Zahninnenseite ist eine Nische für Beläge und Zahnstein. Die Zwischenräume lassen sich nur mit Zahnseide samt Einfädelhilfe oder mit Interdentalbürsten erreichen. Wer hier nachlässig ist, riskiert Zahnfleischentzündungen an den Frontzähnen.
- Draht kann sich lösen oder brechen: Klebestellen halten nicht ewig. Löst sich der Draht unbemerkt an einer Stelle, hält er die Zähne nicht mehr zuverlässig und kann einzelne Zähne sogar in eine ungünstige Richtung lenken. Deshalb gehören Kontrollblicke und regelmäßige Zahnarzttermine dazu.
- Tragedisziplin bei der Schiene: Ein herausnehmbarer Retainer wirkt nur, wenn er tatsächlich getragen wird. Jede längere Pause gibt den Zähnen Gelegenheit zu wandern, und eine Schiene, die nach Wochen wieder eingesetzt wird, passt unter Umständen nicht mehr.
- Anfangs ungewohnt: In den ersten Tagen können Draht oder Schiene die Zunge irritieren und die Aussprache leicht verändern. Das legt sich in aller Regel schnell.
- Folgekosten: Reparaturen, Neuverklebungen und Ersatzschienen sind meist Privatleistungen. Die Größenordnungen stehen im Ratgeber Retainer-Kosten.
Wichtig zur Einordnung: Ernsthafte Probleme sind bei guter Pflege und regelmäßigen Kontrollen selten. Die genannten Punkte sind Alltagsthemen, keine Gründe, auf die Retention zu verzichten, denn ohne sie ist ein Zurückwandern der Zähne deutlich wahrscheinlicher.
Festen Retainer reinigen: so geht es
Der geklebte Draht sitzt an der Innenseite der Frontzähne, also genau dort, wo sich ohnehin gern Zahnstein bildet. Diese Routine hat sich bewährt:
- Zweimal täglich gründlich putzen und die Innenflächen der Frontzähne bewusst mitnehmen, am besten mit kleinen Rüttelbewegungen entlang des Drahtes.
- Einmal täglich die Zwischenräume reinigen: mit Interdentalbürsten in passender Größe oder mit Zahnseide samt Einfädelhilfe (Floss Threader), die unter dem Draht hindurchgeführt wird.
- Eine Mundspülung kann ergänzen, ersetzt aber weder Bürste noch Zahnseide.
- Bei der professionellen Zahnreinigung und den Kontrollterminen den Retainer gezielt ansprechen, damit Beläge an den Klebestellen entfernt und lose Stellen früh entdeckt werden.
Herausnehmbaren Retainer reinigen: so bleibt die Schiene klar
- Nach jedem Tragen mit lauwarmem Wasser abspülen und mit einer weichen Zahnbürste ohne Zahnpasta reinigen. Viele Zahnpasten enthalten Putzkörper, die den Kunststoff aufrauen und ihn anfälliger für Verfärbungen machen.
- Niemals heißes Wasser verwenden, es kann die Schiene verformen, sodass sie nicht mehr passt.
- Gegen Beläge und Gerüche eignen sich spezielle Reinigungsschäume oder ein mildes Spülmittel. Reinigungstabs für Prothesen nur verwenden, wenn die Praxis sie für das Material freigibt.
- Trocken und luftig in der Box lagern, nicht in Serviette oder Hosentasche, dort gehen die meisten Schienen verloren oder kaputt.
- Haustiere fernhalten: Hunde finden den Geruch der Schiene interessant und zerbeißen sie in Sekunden.
Probleme früh erkennen: die Warnsignale
Ein kurzer Selbstcheck alle paar Wochen schützt vor bösen Überraschungen. Aufmerksam sollten Sie werden, wenn:
- sich der Draht an einer Stelle beweglich anfühlt, absteht oder eine Klebestelle rau geworden ist,
- die Schiene plötzlich spannt, schwer aufzusetzen ist oder an einer Stelle gerissen ist,
- das Zahnfleisch an den Frontzähnen gerötet ist oder beim Putzen blutet,
- ein Zahn sich sichtbar gedreht oder verschoben hat.
In all diesen Fällen gilt: zeitnah einen Termin in der kieferorthopädischen Praxis vereinbaren und nichts selbst zurechtbiegen. Je früher eine lose Klebestelle oder eine beschädigte Schiene ersetzt wird, desto geringer die Gefahr, dass sich Zähne verschieben.
Retainer im Urlaub und unterwegs
Für Schienenträger gehört die Aufbewahrungsbox ins Handgepäck, dazu bei längeren Reisen die Telefonnummer der Praxis. Geht die Schiene unterwegs verloren, lohnt der Anruf in der Praxis: Oft existiert das digitale Modell noch und eine Ersatzschiene kann direkt zur Rückkehr fertig sein. Beim festen Retainer reicht das übliche Putzzeug samt Interdentalbürsten, dann steht auch längeren Reisen nichts im Weg.